Evangelische Kirchengemeinde Kressbronn am Bodensee
Jahreslosung 2017
Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26

Unsere Geschichte

Um es vorweg zu nehmen, Kressbronn, oder besser das Gebiet, das wir heute Kressbronn nennen, hat die Reformation nie erlebt. Eine Ausnahme bildete die Pfarrei Laimnau, die aber Lindau unterstand. Lindau war 1528 reformiert worden. Im Jahre 1810 wurde das Gebiet der Montforts aus Tettnang württembergisch, nachdem es bayerisch und  zuvor österreichisch gewesen war. Es war, anders als die Freie Reichsstadt Lindau, von jeher ein absolut katholisches Gebiet. Evangelische Christen waren hier eine Seltenheit! Allenfalls dienstversetzte Beamte oder Zöllner wohnten hier. Diese wurden ab 1812 von Friedrichshafen aus betreut. Ab 1854 erhielt dann Tettnang eine evangelische Pfarrei, ab 1925 Langenargen. Das Gebiet, welches heute Kressbronn bildet, wurde von den jeweiligen Pfarreien mitversorgt. Das war an sich nicht von großer Bedeutung, war die Zahl der mitzubetreuenden Evangelischen in diesem Gebiet weiterhin gering, weniger als 150 Seelen, dazu verstreut und in vielen Ortsteilen lebend. Nach dem Kriege stieg die Zahl der Evangelischen sprunghaft in die Höhe und verzehnfachte sich. So entstand am 1. April 1947 eine eigene Kressbronner Kirchengemeinde, allerdings als unselbständige Filiale von Langenargen.  Am 22. Februar 1957 ist die Kressbronner Kirchengemeinde selbständig geworden, also etwa zeitgleich mit der Kircheneinweihung. Heute leben hier über 1900  evangelische Christen unterschiedlichster Herkunft: freiwillig Zugezogene, Flüchtlinge, Heimatvertriebene, sogar Umsiedler aus der ehemaligen UdSSR. Sie alle haben in Kressbronn eine neue Heimat gefunden.

Auf einer leichten Anhöhe über der alten B 31 und auf halber Höhe des Ottenbergs steht sie seit 50 Jahren, die evangelische Christuskirche. Neben ihr, auf dem großzügig angelegten Grundstück befinden sich das Gemeindehaus, das 1929 erbaut worden ist sowie das später errichtete Pfarrhaus. Glücklichen Umständen war es zu verdanken, dass 1928 ein kgl. württ. Oberst a.D. aus Brandenburg bereit war, sein Baumgrundstück am Ottenberg der evangelischen Kirchengemeinde zu verkaufen. Einzige Bedingung: es müsste das ganze große Grundstück sein. Ein Teilverkauf käme nicht in Frage. Dafür sei der Kaufpreis aber sehr niedrig. So wechselte das riesige Grundstück seinen Besitzer. Riesig? Gott sei Dank, denn es bot nicht nur Platz für den geplanten Betsaal, dem heutigen Gemeindehaus, sondern  später auch der Kirche und dem Pfarrhaus. So wurde 1929 der Betsaal für die etwa 150 Gemeindemitglieder errichtet. Nach den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit wurde Kressbronn für viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene zur neuen Heimat. Darunter befanden sich auch viele evangelische Christen. Der alte Betsaal war zu klein geworden, eine eigene Kirche sollte nunmehr Ort des Gottesdienstes werden. Gott sei Dank besaß man ja aus früherer Zeit bereits das große Grundstück von 1928, sodass der Bauplatz bereits vorhanden war, ein Bauplatz in einer wunderschönen Höhenlage über See und Ort.

Im Februar 1954 entschloss sich der damals dafür zuständige Gesamtkirchengemeinderat Langenargen, den Neubau einer Kirche in Kressbronn zu wagen. Unter der Regie von Pfarrer Erich Waldbaur wurde am 20. November 1955 der Grundstein gelegt für den ersten evangelischen Kirchbau nach dem Krieg im weiten Umkreis.

Entwurf sowie die Bauleitung lagen in den Händen des Architekten Werner Starke aus Langenargen. Nach dessen plötzlichen Tod vollendete Prof. Erhard Lucas aus Berlin den Bau. Bereits am 11. Dezember 1956 konnte die Gemeinde Richtfest feiern.

Das mitgeplante Pfarrhaus wurde aus Gründen des Geldmangels noch nicht verwirklicht, es folgte später.

Eine Besonderheit bildete der Guss der 3 Kirchenglocken in der Stuttgarter Glockengießerei Kuck. Die 3 Glocken sollten so gestimmt sein, dass sich ihr Geläut in Harmonie befände mit dem Geläut der katholischen Pfarrkirche (d’ f g’ h’). Also erhielten die evangelischen Glocken die Stimmen: g’ h’ c’. Wenn man so will – eine Ökumene der Glocken. Pünktlich wurden die Glocken in Stuttgart gegossen und nach Kressbronn gebracht.

Schon am 7. April 1957 fand die feierliche Kircheneinweihung der Christuskirche statt. Losgelöst vom übrigen Baukörper steht der Kirchturm, schlank und 28 m hoch, gekrönt von einem Weltkreis mit Kreuz. Kirchturm und Kirchenschiff werden verbunden durch einen Windfang, durch den man in das Innere des Kirchenschiffes gelangt.

Ulrich Woyte